Der Kletterer als Ninja Warrior – alles im Griff

Benjamin Blaser kämpft am Dienstag im Final von «Ninja Warrior Switzerland» um 100 000 Franken. Seine Karriere als Sportkletterer ist vorbildlich, sein Körper topfit – auch dank der Trainingspläne der Freundin.

Zwei senkrechte Wände, zehn Meter hoch, zwischendrin steht ein Mann mit kräftigem Oberkörper: Benjamin Blaser. Will er in den Final, so muss er die letzte Aufgabe noch packen: nur mithilfe seines Körpers die zehn Höhenmeter bewältigen. Der Kletterer drückt sich zwischen die Wände, doch er rutscht mit den Schuhen immer wieder ab. Trotz den Ausrutschern schafft er es auf die Plattform und drückt den Buzzer – Erleichterung, Jubel, Freude.

Das letzte Hinderniss – der sogenannte Kamin. (Printscreen TV 24)

Die Moderatoren der TV-Sendung «Ninja Warrior Switzerland» sind begeistert von der starken Leistung. Weniger angetan sind sie von den langen, auffälligen Socken mit aufgedruckten Comicfiguren. Der 28-jährige Blaser lässt sich davon aber nicht beirren und sagte im Interview nach seinem Lauf: «Vielleicht finde ich ja für den Final noch ‹grüsigere› Socken.» Sind diese Socken sein Markenzeichen? Nein, er trage zwar zum Velofahren öfters mal speziellere Socken, im Alltag aber nicht.

Griff für Griff nach oben

Benjamin Blaser schloss in Ried bei Kerzers eine Ausbildung als Automechaniker ab. Nach dem Militär und einer längeren Reise hatte er keine Lust mehr auf diesen Job; er bewarb sich im Jahr 2010 spontan bei einem Bergsport-Fachgeschäft – und hatte Erfolg. Eine Win-win-Situation für den Sportkletterer.

Klappt eine Übung nicht auf Anhieb, kann die Stimmung gehässig werden.
Silvia Flury, Freundin und Trainingspartnerin

Diese Karriere begann im Jahr 2000, damals war Blaser zehn Jahre alt. Er schloss sich einer Trainingsgruppe an, begann regelmässig zu klettern. «Ein Schritt ergab dann den anderen», sagt Blaser. Regionalkader, nationale Wettkämpfe, Nationalkader, internationale Wettkämpfe. Seine Paradedisziplin ist das Bouldern, wo er im Jahr 2003 Schweizer Meister wurde und die weiteren Jahre mehrere Male auf dem Podest stand.

Im Bouldern ist Benjamin Blaser einer der Besten in der Schweiz.

Das Ziel beim Bouldern: den höchsten Punkt des Parcours innerhalb einer gewissen Zeit in möglichst wenig Versuchen erreichen. Ohne Seil oder Sicherung, dafür mit Magnesium an den Händen und Kletterschuhen an den Füssen. «Zum Bouldern braucht es praktisch keine Hilfsmittel. Es geht nur darum, ob du alleine die Wand besiegen kannst.»

An der Wand ist Blaser alleine, aber auf seinem Werdegang wird er schon viele Jahr von seinem Trainer Christian Tschudi unterstützt. Der diplomierte Spitzensport-Trainer betreibt in Ostermundigen die Kletterhalle «O’Bloc», wo er zusammen mit seinem Schützling mehrmals in der Woche trainiert. «Benjamin gibt in jedem Training Vollgas. Seine Griffkraft und Stärke in den Armen ist herausragend. Dafür fehlt es ihm etwas an der Beweglichkeit.» Tschudi glaubt nicht an das «grosse» Talent und sagt darum, dass die Voraussetzungen bei Blaser gut waren, er sich aber alles hart erarbeiten musste.

Training mit der Freundin

Tschudi ist für Blaser mehr als ein Trainer, die beiden sprechen nicht nur über den Sport. «Früher, als Benjamin noch ein kleiner Knirps war, da war ich einfach nur der Trainer», sagt Tschudi. «Heute sind wir gute Kollegen, und Christian kennt mich wirklich sehr gut», sagt Blaser. Tschudi hatte übrigens die Idee, dass seine Kletterer doch bei «Ninja Warrior» mitmachen sollen. «Als Sportkletterer ist man für diesen Wettkampf prädestiniert.»

Benjamin Blaser und seine Kameraden fanden das eine gute Idee, wirklich umgesetzt hat sie nur der gebürtige Berner. Speziell trainiert hat er im Vorfeld nicht, sondern einfach sein gewohntes Programm weitergeführt. «Den Parcours kannst du sowieso nur kurz vor dem Lauf für einige Minuten besichtigen. Einen Probelauf gibt es nicht, man hat nur diesen einen Versuch.»

Ausschnitte von Blaser bei Ninja Warrior:

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Ein Zusatzaufwand war die Bewerbung inklusive Video und danach das Sichtungstraining auf dem Schilthorn. Mit dabei auf dem Berg war seine Freundin Silvia Flury. Seit knapp zwei Jahren ist die Studentin in Sportwissenschaften an seiner Seite. Der Sport verbindet die beiden und sie trainieren oftmals auch zusammen.

Damit nicht genug: Flury, die neben dem Studium noch als Personaltrainerin arbeitet, schreibt für ihren Freund die Trainingspläne. «Benjamin ist natürlich ein etwas spezieller ‹Kunde›. Er reagiert emotionaler, wenn eine Übung mal nicht auf Anhieb klappt. Seine Stimmung kann dann auch mal etwas gehässig oder genervt sein.»

Ich werde bei einer zweiten Ausgabe von ‹Ninja Warrior› wieder antreten.
Benjamin Blaser, Sportkletterer

Bei grösseren Enttäuschungen braucht der ehrgeizige Sportler Zeit für sich. Solche Enttäuschungen waren zum Beispiel der vierte Rang an der diesjährigen Schweizer Meisterschaft im Bouldern und die verpasste Weltmeisterschaft in Innsbruck. Als er davon erzählt, ist spürbar, wie ihn das nervt und gleichzeitig motiviert. Seit März dieses Jahres arbeitet er nur noch 60 Prozent. Der Fokus soll in naher Zukunft noch stärker beim Klettern liegen. «Richtig auszahlen wird sich das hoffentlich nächstes Jahr. Denn nun habe ich für das Aufbautraining im Winter mehr Zeit.»

Benjamin Blaser will es nochmals wissen, auch weil er sich bewusst ist: «Ich bin nicht mehr der Jüngste und weiss auch nicht, wie lange ich diesen Aufwand so noch betreiben will.» Solange er das aber noch macht, macht er es richtig. Sein Ziel: Bei einem Weltcup-Event unter die besten zehn Athleten klettern, oder gar in den Final der besten Sechs. Bisher ist ein 11. Platz sein Top-Ergebnis. Trainer Tschudi ist zuversichtlich: «Das Feuer in ihm brennt noch sehr stark.»

Der Sportkletterer in Action:

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Ein Bus oder ein Rennvelo

Silvia Flury sieht in diesem Engagement ihres Freundes kein Problem. «Es ist wichtig, dass wir beide unser eigenes Ding durchziehen können.» Sie konnte ihn beispielsweise während der TV-Aufzeichnungen nicht vor Ort unterstützen, weil sie über diese Tage in den Ferien war. Auch Benjamin Blaser weilte bis kurz vor dem Termin noch mit einem Kollegen in Südafrika. «Ich hatte in den beiden Qualifikationsläufen das Gefühl, nicht bei 100  Prozent zu sein. Vermutlich wirkte der Jetlag noch nach.» In den Final der Show hat er es trotzdem geschafft – nun winkt die Siegerprämie von 100 000 Franken.

Von diesem Geld würde sich Blaser einen kleinen Bus für zukünftige Reisen oder ein neues Rennvelo leisten. Neben dem Klettern radelt er oft mit dem Velo über die Strassen, ab und zu nimmt er auch das Auto. Beim Autofahren, da zeigt der sonst eher ruhigere Typ auch mal seine andere Seite. Seine Freundin verrät: «Er mag es gar nicht, wenn jemand vor ihm zu langsam fährt. In solchen Situationen regt er sich sehr auf.»

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Im Final von «Ninja Warrior Switzerland», der am kommenden Dienstagabend stattfindet, wird ihn niemand aufhalten. Sollte er es erneut zum letzten Hindernis schaffen, wären es keine zwei Wände, sondern ein Seil, das er hochklettern müsste. Egal, wie der Final läuft, ist klar: «Ich werde bei einer allfälligen zweiten Ausgabe von ‹Ninja Warrior› wieder antreten.» Das ist typisch Benjamin Blaser: Ehrgeiz gepaart mit ganz viel Begeisterungsfähigkeit.

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