Die freiburgische «Hand Gottes»

Dank seinem ausgewählten Porträt von Diego Maradona darf der Plaffeier Raphaël Kolly die isländischen Fussballer für die WM 2018 zeichnen. Hinter der Idee steckt der Verein tschutti heftli.

Calvin und Hob­bes, oder Wolf Larsen aus «Der Seewolf» heissen die Comic-Helden von Raphaël Kolly. In nächster Zeit befasst sich der der 23-jährige Illustrations-Student aber mit Namen wie Birkir Bjarnason, Gylfi Sigurdsson oder Alfred Finnbogason. Mit Namen von isländischen Fussballern, die ihr Land an der Weltmeisterschaft 2018 in Russland vertreten.

Kolly nahm erfolgreich am Zeichnungswettbewerb von tschutti heftli (siehe Box) teil. Die Idee des Luzerner Vereins ist, mit künstlerischen Porträts der Fussballer eine Alternative zu den weltweit bekannten Panini-Klebern zu bieten.

Maradona ebnet den Weg

Gemeinsam mit ein paar Kollegen entschied sich Kolly für eine Teilnahme am Wettbewerb. Die Aufgabe war ein Porträt der argentinischen Fussballlegende Diego Maradona. Dieser bekam während der WM 1986 in Mexiko den Übernamen «Hand Gottes», weil er im Viertelfinal gegen

Diego Maradona Raphael Kolly tschutti heftli
Mit dieser Zeichnung von Diego Maradona bewarb sich Kolly.

England das 1:0 mit der Hand erzielte. Zwei Siege später war Argentinien Weltmeister. Nun ruhte die Hoffnung von Raphaël Kolly auf den prägnanten, maradonschen Gesichtszügen.

Die Linien und den Grundton seines Maradona-Porträts zeichnete Kolly von Hand, in diesem Fall ist das völlig regelkonform. Die Flächen füllte er anschliessend am Computer mit den Farben auf. Er tat dies sehr gut. Sein Bild schaffte es aus einer Auswahl von über 500 Bildern in die Top 32. Der Moskauer Illustrator Victor Melamed wählte Kollys Bild aus. Auf Anfrage schrieb Melamed: «Das Bild hat viel Charakter und eine gute Energie. Es funktioniert einfach.»

Publikumslieblinge

Der Freiburger konnte anschliessend seine fünf bevorzugten WM-Nationen bestimmen. Seit einigen Tagen ist klar: Kolly zeichnet das isländische Team. Seine zweite Wahl hinter Kolumbien, doch er freut sich: «Die Isländer sind die Publikumslieblinge, das ist cool.» Bis Ende Januar hat er nun Zeit, das Verbandslogo, elf Spieler und den isländischen Trainer in seinem ganz einigen Stil zu zeichnen. Dafür erhält Kolly eine kleine finanzielle Entschädigung.

Kunst vor Fussball

Im Zimmer des Freiburgers hängen Zeichnungen an der Wand, keine Poster von Fussballstars. Er ist kein grosser Fussball-Fanatiker, aber ein gewisses Interesse besteht. «Ich habe früher auch ab und zu Panini-Bilder gesammelt. Bei diesem Projekt steht für mich aber klar die Kunst vor dem Fussball.» Es ehrt den Plaffeier sehr, seinen Beitrag zum künstlerischen Sammelalbum leisten zu dürfen.

Raphael Kolly zeichnen Plaffeien tschutti heftli
Raphael Kolly zeichnet in seinem Zimmer in Plaffeien. Bild: Charles Ellena

Die grösste Herausforderung sieht der junge Künstler in den hohen Erwartungen der Fans: Die Fans wollen ihre Fussballer sehr gut gezeichnet haben und erkennen können.» Alle Fussball-Banausen mögen denken: Die Isländer kennt doch niemand. Falsch gedacht. Im vergangenen Jahr sorgten sie mit dem Sieg im EM-Achtelfinale gegen England für eine Sensation. Mit der direkten Qualifikation für die WM 2018 in Russland gelang Bjarnason, Sigurdsson und Co. nun das nächste Kunststück. Isländische Kunststücke will auch Raphaël Kolly vollbringen: nicht mit dem Ball am Fuss, sondern mit dem Farbstift in der Hand.

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