Dorfläden – die beliebten Multitalente

Wer heute mit einem «Dorflädeli» überleben will, der steht nicht mehr nur in seinem Laden und verkauft Brote oder Sandwiches. Der «Znüni-Cher» gehört auch dazu – Vielseitigkeit und Mobilität sind Trumpf.

Es gibt sie noch, die «Dorflädeli». Zum Beispiel in St. Ursen, direkt an der Hauptstrasse und mit einer Bushaltestelle quasi vor der Tür. «Die Lage ist super», sagt Hubert Jenny. Er hat den Laden vor 32  Jahren, nach dem Tod seines Vaters, zusammen mit seiner Frau Priska übernommen. Die Jennys profitieren vom Durchgangsverkehr, aber auch von der «treuen Dorfkundschaft».

Dorfladen Jenny St. Ursen
Priska und Hubert Jenny in ihrem Dorfladen in St. Ursen.

Für die Kunden steht Hubert Jenny ab 1 Uhr in der Nacht im Laden und macht frische Sandwiches. «Die Lastwagenfahrer und Frühaufsteher schätzen es sehr, dass ich schon in den frühen Morgenstunden geöffnet habe. Und die Jugendlichen aus dem Dorf kommen oft nach dem Ausgang noch vorbei», sagt der 59-Jährige. Insgesamt laufe der Laden gut, doch die zunehmende Konkurrenz ist spürbar. «So richtig eng wurde es aber nur einmal, vor circa zehn Jahren. Damals mussten wir sogar ans Aufhören denken, doch irgendwie haben wir die Kurve noch gekriegt.»

Tanz auf vielen Hochzeiten

Nur mit Sandwich-Verkauf am Morgen ist die Arbeit nicht erledigt. Um heute als Dorfladen überleben zu können, braucht es ein vielseitiges Angebot. Der «Znüni-Cher», der Lieferservice an Firmen in der Znünipause, ist bei den Jennys ein Erfolgsmodell. «Wir machen aber auch Lieferservice für Veranstaltungen oder sogar ganze Caterings, zum Beispiel bei Hochzeiten. Da unterstützen uns die Vereine und Leute im Dorf super – das meiste läuft über Mundpropaganda.»

So gesehen sieht die Zukunft vom Dorfladen Jenny gut aus, jedoch weiss das Ehepaar noch nicht, wer den Laden in einigen Jahren übernehmen soll: «Unsere Kinder haben kein Interesse, aber vielleicht ein anderer Ladenbesitzer aus der Umgebung.» Jedenfalls sollte es jemand sein, der ähnlich viel Energie und Leidenschaft für den Laden mitbringt, wie Priska und Hubert Jenny.

Ehrlichkeit und Qualität

In Ried bei Kerzers, an der Hauptstrasse gelegen und etwa 100 Meter von der Bushaltestelle entfernt, steht die Bäckerei Stähli. Ein paar Tische für die Kunden, eine Verkaufs­theke und etwas Ladenfläche.

«In 17 der letzten 20 Jahren konnten wir ein Wachstum verzeichnen», antwortet der Ladenbesitzer Simon Stähli auf die Frage, wie das Geschäft läuft. Gerade die Monate Juli und August seien wie der Dezember zwei gute Monate. Das mag aufgrund der Ferienzeit erstaunen, «doch es kommen viele vor dem Besuch in der Badi vorbei oder die Bauern nach der strengen Arbeit in der Hitze auf dem Feld.» Vor acht Jahren hat Simon Stähli den Laden von seinem Vater übernommen. Das Erfolgsgeheimnis hat ihm damals sein Vater mit auf den Weg gegeben: «Ehrliche Arbeit machen und Qualität zu fairen Preisen anbieten.»

Das scheint im Falle der Stähli Bäckerei zu funktionieren. Die Kundschaft ist treu und gerade die Jungen kämen wieder vermehrt in den Laden. «Ich glaube, die etwas geizige Mentalität der Lidl- und Aldigänger ist vorbei. Regionale Qualität und frische Produkte werden wieder geschätzt.»

Stehen bleiben geht nicht

Die Vielfalt an Läden und Angeboten hat zugenommen, das spürt auch Simon Stähli. Aber die neue Laden-Kultur in der Umgebung kommt ihm auch entgegen. «Die Einheimischen machen ihre Einkaufstour. Sie kaufen das Gemüse im Hofladen, gehen dann zum dorfeigenen Metzger und kommen nachher noch bei mir vorbei, um das Brot zu kaufen», erzählt Stähli. Der Renner bei ihm ist das Urdinkel-Brot, bei dem er in den letzten Jahren die Produktion stark erhöhen konnte. Auch Stähli setzt zudem auf mobile Angebot wie den Znüni-Lieferservice.

Er hat auch schon Zukunftspläne im Kopf, die aber noch nicht ausgearbeitet sind. Der Ausbau seines «Tearooms», wo die Gäste sich hinsetzen könnnen, ist eine Idee. Eines ist für Simon Stähli klar: «Man darf nicht zu lange stehen bleiben.»

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