Züri West am Openair der Gallier

Schmittner Openair 2017, Donnerstagabend: Züri West treten auf, junggeblieben und frisch, aber ohne Zaubertrank für das Publikum.

«Ich bin zum ersten Mal da. Kannst du mir den Weg zum Openair zeigen?», frage ich am Bahnhof. «Klar, man kommt ja auch nicht einfach so hierher», lautet die Antwort. Das Schmittner Openair ist überschaubar, jeder kennt jeden auf diesem kleinen Hügel zwischen grossen Bäumen und Feldern. Es ist 19 Uhr, noch eine Stunde bis zum Auftritt von Züri West.

Die Warteschlange am Eingang ist kurz, dafür stehen viele Leute vor dem grossen Verpflegungszelt an. Die Hamburger und das Pouletfleisch von da seien das kulinarische Highlight.

Schmitten Openair Landschaft Wetter
Idyllisch: Die Landschaft rund um das Schmittner Openair 2017

Ich habe Hunger und gehe darum zum Stand nebenan.Nach wenigen Sekunden steht ein Teller Ghackets mit Hörnli vor mir. Es beginnt zu regnen, die grosszügige Schicht Parmesan auf meinem Znacht wird vom Winde verweht. Unter dem Zeltdach wird das Openair musikalisch eröffnet. Die einheimische R’n’B-Sängerin Faye-B, rund 1,50 Meter gross, enge Hosen, das Cap bis tief ins Gesicht gezogen, versucht, das Publikum aufzuwärmen.

Abgesehen von ein paar treuen Fans in den ersten Reihen klappt das eher mässig. Ich höre mich noch etwas um. «Schmitten wird auch als das Gallien des Sensebezirks bezeichnet. Wir sind ein spezielles Volk», erzählt mir ein Einheimischer. Alle zwei Jahre kommt das ganze Dorf am Openair zusammen – man trinkt, tanzt und tratscht. Heute Abend werde es viele Leute geben, wegen Züri West.

Sorry, ich bin etwas sentimental heute. Als ich das Haus verliess, riss der starke Wind meine grosse Eiche im Garten um.
Kuno Lauener, Züri West

Baum fällt, Züri West blüht

20 Uhr, Züri West sind da. Die Sonne lacht wieder, die Wiese vor der Hauptbühne ist gut gefüllt. Nach dem ersten Song begrüsst Frontmann Kuno Lauener das Publikum: «Tschou zäme, mir si Züri West vo Bärn.» Er sei etwas sentimental heute, denn es sei bis jetzt nicht sein bester Tag gewesen. «Als ich das Haus verliess, riss der starke Wind meine grosse Eiche im Garten um.»

Kuno Lauener war schockiert und die Strasse blockiert, «bis die Feuerwehr kam und mit den Motorsägen meine geliebte Eiche zersägte». Der Baum hielt nicht stand, ganz im Gegensatz zu Züri West. Lauener und seine Band blühen auch nach mehr als 40 Jahren auf der Bühne noch auf – humorvoll, herzlich, hingebend.

«Züri West, das ist doch noch eine dieser typischen Openair-Bands», sagte mir ein Freund vor ein paar Tagen. Er sollte recht behalten: Hin und wieder Grüsse für Bekannte im Publikum, mal ein frecher Spruch, aber vor allem viel Gitarre, Musik und der unverwechselbare Kuno Lauener.

Züri West Openair Schmitten Kuno Lauener
Kuno Lauener mit seiner Gitarre auf der Openair-Bühne in Schmitten.

 

 

 

 

 

 

 

Zu wenig Zaubertrank intus

Die älteren Fans wippen mit, die jüngere Generation wartet auf Klassiker wie «I schänke dir mis Härz» oder «Fingt ds Glück eim?». Wie üblich lassen diese Stücke bis am Schluss auf sich warten. Die Stimmung kann dann immerhin für kurze Zeit meine kühlen Beine etwas erwärmen.

Es bleibt ein laues Lüftchen, das der Darbietung auf der Bühne nicht gerecht wird. Züri West als Obelix, die restlichen Gallier mit zu wenig Zaubertrank intus. Der Himmel ist dunkel, als die vier Männer die Bühne verlassen. Der erste Höhepunkt des Schmittner Openairs fliegt dahin wie mein Parmesan im Schmittner Wind.

«Das sind eben Freiburger»

Als Led Airbus auf der Zeltbühne zu rocken beginnen, kann ich die ersten ausgeflippten Tänze ausmachen – die Stimmung wird ausgelassener. Die alkoholfreie Bar mit dem Motto «0 Prozent Alkohol, 100 Prozent Party» hat dichtgemacht. Es ist 23 Uhr, ich spaziere durch den dunklen Wald hinab zum Bahnhof.

Züri West Openair Schmitten Bühne
So ganz sprang der Funken nicht auf das Publikum über.

Dann will ich es von den nur für Züri West angereisten Fans genauer wissen: Wie hat ihnen das Konzert gefallen? «Super, eine gute Songauswahl» oder «Genial, wie immer bei Züri West» lauten die Antworten. Im Zug nach Bern frage ich noch zwei Besucher nach der Stimmung. «Da haben wir nicht mehr erwartet, das sind eben Freiburger.» Ungläubig denke ich für mich: Die Freiburger, besonders die Gallier, können das doch bestimmt besser.

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