Die Heinzelmänner der Stadt Luzern

Sie heben das auf, was die Leute auf den Boden werfen – und sie leisten noch viel mehr. Die Strassenwärter der Stadt Luzern sind Alleskönner und wahre Heinzelmänner.

Die Luzerner Fasnacht zieht die Menschen an. Und wo Menschen sind, da ist auch Abfall. Die Leute kommen oftmals nicht mit leeren Taschen und hinterlassen Müll oder sogar Schäden. Dass Müllberge oder kaputte Sitzbänke in Luzern nicht ein gängiges Bild sind, hat einen orangefarbigen Grund. Die Strassenwärter wischen, reparieren und räumen von früh morgens bis spät abends. Sie sorgen dafür, dass nach einem noch so wilden, bunten Fasnachtstag die Strassen am nächsten Tag wieder „glänzen“.

Genauso sorgen sie dafür, dass im Winter die vielbegangenen Strassen und Plätze nicht zum Eisfeld verkommen oder dass die unzähligen Brunnen gereinigt werden. Dass das Abfallproblem ein immer wichtigeres Thema wird, zeigen auch die zahlreichen Kampagnen der Stadt. Rolf Stocker, Leiter Unterhalt Betrieb der Stadt Luzern, erzählt was dies für die Einsatzkräfte bedeutet: «Vor 20 Jahren genügte ein Arbeiter, der die Abfalleimer leerte. Heute sind die Teams von morgens 4.30 Uhr bis abends 22 Uhr unterwegs.

Spuren der Partynacht

Abgesehen von der Fasnacht ist für das Strassenwärter-Team des Stadtteils «Mitte» um Teamleiter Albert Kreienbühl vorallem von Donnerstag bis Sonntag viel los. Das Team befreit die Strassen und Plätze von den Folgen des Nachtlebens. So kommt es, dass in der morgendlichen Rush Hour niemand mehr etwas von kaputten Flaschen, Zigarettenstummeln oder gar Erbrochenem sieht. «Im Umfeld von gewissen Clubs ist das nicht ganz einfach, weil die letzten Gäste erst um 7 oder 8 Uhr morgens nach Hause gehen», erklärt uns Kreienbühl.


«Es ist unser Job und ich mache das auch gerne. Letzten Endes müssen wir akzeptieren, dass die Leute ihren Abfall auf den Boden werfen und wir diesen später aufheben.»

Livio Thalmann, Strassenwärter


In Einzelfällen werden die Trunkenbolde sogar aggressiv oder respektslos. Das ärgert die Strassenwärter, doch eine Diskussion ist meist zwecklos. Teammitglied Joe Thalmann erzählt: «Als ich einmal früh morgens mit der Putzmaschine aufgefahren bin, hat mir jemand eine Glasflasche an das Fahrzeug geschmissen. Ein anderes Mal versuchte sogar jemand, die Maschine zu besteigen, was sehr gefährlich ist.» Meist unter dem Einfluss von Alkohol kommt es auch hin und wieder zu Vandalismus in der Stadt. «Diese Schäden zu reparieren, ist ebenfalls unsere Aufgabe», so Stocker. Er nennt das Beispiel des mutwillig demolierten Rollstuhllifts an der Luzerner Kapellbrücke.

Neben diesen Aufgaben stehen die Heinzelmänner auch während den weiteren zahlreichen grösseren Ereignissen wie das Luzerner Fest oder auch die Herbstmesse mit Besen und Putzfahrzeug bereit. Während diesen Festivitäten werden Extraschichten gemacht, damit sich die Abfallberge nicht auf dem Festgelände türmen – im letzten Jahr sammelte das Team am Luzerner Fest 34 Tonnen Müll. Oftmals bleibt den Strassenwärtern das eigene Feiern verweigert. Für den 21-jährigen Strassenwärter Livio Thalmann ist das aber kein Problem. «Ich bin nicht der Typ für solche Feste», sagt er uns.

«Es ist unser Job»

Die Meisten in der Stadt sehen es nicht, wenn die Strassenwärter den Müll einsammeln. Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass die Stadt «glänzt». Livio Thalmann dazu: «Ja, das ist eben unser Job und ich mache das gerne. Letzten Endes müssen wir akzeptieren, dass Leute ihren Abfall auf den Boden werfen und wir diesen später auf heben und entsorgen.» Bei den anderen Strassenwärtern kling es ähnlich und alle sind mit Freude dabei. Dieser Einstellung sollte man Respekt zollen, wenn man täglich durch die Stadt Luzern läuft oder sein Mittag am See verbringt. Eine Stadt ohne Thalmann und Co. wäre nichts anderes als ein grosser Müllhaufen. Statt Menschen würden sich auf der Ufschötti Bananenschalen an der Sonne bräunen. Oder der Bankangestellte tritt am Morgen auf dem Weg zur Arbeit in die Überreste der vergangenen Partyexzesse – die Verärgerung wäre enorm.

Und so ist es, wie so oft im Leben: Ist die Stadt sauber, hört man nichts. Sobald es mit dieser selbstverständlichen Sauberkeit jedoch mal hadert, gibt es ein lautes Echo. Ja, es ist die Arbeit der Strassenwärter, für Sauberkeit zu sorgen und sie bekommen auch ihren Lohn dafür. Denken Sie aber daran, dass das Aufsammeln des Abfalls für den Strassenwärter nur ein kleiner Teil der ganzen Arbeit ist. In etwa so, wie das Durchschauen der Emails für einen Büroangestellten – je mehr Emails, desto mehr Zeitaufwand, desto mehr Emails bleiben unentdeckt und desto weniger Zeit bleibt für das Wesentliche. Bereits heute müssen Prioritäten gesetzt werden. Rolf Stocker erklärt: «Sparmassnahmen der Stadt führen dazu, dass die Ressourcen immer knapper werden. Dies hat zur Folge, dass wir in den Aussenquartieren nicht mehr wöchentlich reinigen können.»

Es kann jeder für Entlastung sorgen und seinen Abfall nicht auf den Boden werfen oder liegen lassen – ganz im Sinne einer sauberen Stadt Luzern.

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